Die tiefdunklen Böden der Gegend gehören zu den fruchtbarsten der Welt. Aufgrund der sommerlichen Trockenheit müssen die Felder bewässert werden. Dafür wird hauptsächlich auf das Wasser des Mashavera zurückgegriffen, das über ein Kanalsystem zu den Äckern und Gärten beiderseits es Flusses geleitet wird.

Allerdings wird das Wasser großflächig durch giftige Schwermetalle wie Arsen, Blei, Cadmium und Quecksilber kontaminiert. Mit dem Wasser und den darin enthaltenen Schwebstoffen gelangen seit Jahrzehnten auch die giftigen Schwermetalle auf und in die Böden. Die Felder werden somit zu einer potentiellen Gefahrenquelle für den Anbau von Nutzpflanzen, die vorwiegend dem Eigenbedarf der lokalen Bevölkerung dienen, aber auch in den nahen Städten bis hin zur Hauptstadt Tiflis vermarktet werden. Eindeutiger Verursacher ist der nahe der Plattenbau-Siedlung Kazreti gelegene »Madneuli«-Tagebau. Es handelt sich um den größten Buntmetall-Tagebau Georgiens, in dem seit 1974 etwa 60.000 Tonnen Kupfer und geschätzte 2.000 Kilogramm Gold pro Jahr abgebaut werden. In Zukunft soll die Fördermenge deutlich gesteigert werden. Die Firma beschäftigt etwa 60 % der lokalen Bevölkerung.

Der anfallende schwermetallhaltige Abraum sowie Trennverfahrens-Rückstände werden auf Halden deponiert. Da bis heute keine ausreichenden Absicherungs- und Rekultivierungsmaßnahmen zur Stabilisierung der Haldenareale ergriffen wurden, ist das giftige Abraummaterial unmittelbar den Witterungseinflüssen ausgesetzt. Durch Niederschläge kommt es zur Erosion des Haldenmaterials in mehrere kleinerer Bäche, wodurch die Schwermetalle in den größeren Mashavera-Fluss gelangen. Der Mashavera zählt heute zu den am stärksten belasteten Fließgewässern Georgiens und fließt über den Fluss Kura schliesslich ins Kaspische Meer.

Die Zustände wurden bereits zwischen 2005 und 2012 im Rahmen mehrerer Forschungsvorhaben durch die Universität Gießen untersucht. Ausmaß und Art des ökotoxikologischen Transfers der Schwermetalle in die Nahrungskette sind seitdem genau bekannt und wurden international publiziert. Bessere Schutzmassnahmen sind trotzdem nicht erfolgt. Die Krebsrate im Mashavera-Tal ist ausserordentlich hoch und liegt über dem georgischen Durchschnitt.

Neben der Ökologie zerstört die Mine aber auch das kulturelle Erbe, denn Gold-Bergbau lässt sich im Mashavera-Tal bis in die frühe Bronzezeit nachweisen. Mit der 2004 entdeckten »Sakdrissi-Mine« wurde hier das älteste bekannte Goldbergwerk der Welt mit einem Alter von über 5.000 Jahren gefunden. Kurz darauf wurde die Fundstätte unter Schutz gestellt. Auf Antrag der Minenbetreiber und mit Einverständnis des georgischen Ministeriums für Kultur jedoch wurde Sakdrissi der Denkmalschutz-Status wieder entzogen. Trotz massiver Proteste und eines noch schwelenden Verfahrens wurde wurde die Mine aus der Bronzezeit 2013 unwiderbringlich zerstört.

Sakdrissi vor der Zerstörung