Bekannt ist das Mashavera-Tal heute vor allem für zwei spektakuläre archäologische Attraktionen, die auch von ausländischen Touristen gerne besucht werden. Eingebettet in eine wunderbare Landschaft thront die einzigartige archäologische Fundstätte Dmanisi mit dem Sioni-Sameba-Kloster aus dem 7. Jahrhundert darauf, als die Seidenstraße hier verlief. Aber das Kloster ist nicht die Hauptaattraktion: Die Stätte ist weit älter!

Schicht über Schicht haben hier unterschiedlichste Zivilisationen ihre Spuren hinterlassen. Was Dmanisi berühmt gemacht hat, sind die hier ausgegrabenem frühmenschlichen Fossilien, die für Furore in der Fachwelt sorgten.

Bei den Funden in Dmanisi handelt es sich um die ältesten Nachweise der ersten globalen Menschenart «Homo erectus» nördlich des Mittelmeeres. Die Funde sind auf etwa 1,77 Mio. Jahre zu datieren und beweisen, dass die ersten Vertreter der Gattung ca. 300.000 Jahre früher als zuvor angenommen in Eurasien anwesend waren. Ihr Weg führte durch das Mashavera-Tal. Die ersten frühen Menschen in Europa waren demnach: Georgier.

Sah so der Dmanisi-Mensch aus?

Besonders der 2013 ausgegrabene »Schädel 5« zwingt die Anthropologie zum Umdenken: Noch nie wurde ein derartig alter, so gut erhaltener Schädel aus der Erde geborgen. Zusammen mit den anderen vier an selber Stelle ausgegrabenen Schädeln stellt der Fund die bisherige Einordnung von menschlichen Fossilien in verschiedene Arten radikal in Frage. Offenbar war die Artenvielfalt der Frühmenschen viel kleiner als bisher angenommen.

Aufgrund ihrer internationalen Bedeutung stehen die Ausgrabungen darum gleich im Eingangsbereich des georgischen Nationalmuseums in Tiflis.

Die Verbreitung des Menschen
Bolnisi-Kreuz

Die zweite Attraktion stellt die Sioni-Kirche nahe Bolnisi dar: Die georgisch-orthodoxe Basilika aus dem Jahr 478 ist die älteste datierte Kirche Georgiens und des ganzen Südkaukasus. Schon ein halbes Jahrhundert vor dem Römischen Reich nahm Georgien das Christentum als Staatsreligion an. Der Legende nach steht sie an der Stelle, wo der Heilige Georg einen Drachen getötet haben soll. Georgien erhielt dadurch während der Kreuzzüge seinen Namen.

Im Mauerwerk der Kirche sind noch heidnische Elemente erkennbar, sie gilt als hervorragendes Beispiel für frühchristlichen Sakralbau. Berühmt sind die georgischen Inschriften an der Kirche: Sie sind die ältesten historischen Belege der georgischen Schrift. Zudem befindet sich in der Kirche die älteste Darstellung des Bolnissikreuzes, das als Symbol der Georgisch-Orthodoxen Kirche überall in Georgien Verbreitung gefunden hat und im Straßenbild allgegenwärtig ist.